Rückblick Anette Langendorf Park Fest 2026
Anette Langendorf Park Fest: Im Mittelpunkt stand die Erinnerung
Am Samstag 26. September 2026 fand das Anette Langendorf Park Fest im Konversionsgebiet Turley statt. Nach der Eröffnung des neuen Quartierspark im Mai durch die Stadt, folgte eine weitere Veranstaltung durch eine Initiative von Anwohner*innen, den anliegenden Wohnprojekten und politischen Organisationen. Die Initiative kritisierte, dass bei der städtischen Veranstaltung im Mai die Namensgeberin des Parks, Anette Langendorf, keine Rolle gespielt hatte.
Mannheimer Politikerin mit Sinn für Gerechtigkeit
Der Park ist nach Anette Langendorf benannt, Mannheimer Stadträtin vor und nach der Nazi-Zeit, Landtagsabgeordnete und Mitglied der Verfassungsgebenden Landesversammlung für Württemberg-Baden als Abgeordnete der KPD. Sie prägte als einige der wenigen Frauen ihrer Zeit die Politik in Mannheim und setzte sich unermüdlich für die Rechte von Arbeiter*innen, Frauen, Kindern und Jugendlichen ein. In den Debatten sorgte sie dafür, dass die Interessen der an den Rand gedrängten Gruppen gehört wurden.
Ihr Engagement brachte sie 1933 schnell in Konflikt mit den Nazis. Sie leistete Widerstand in der Lechleiter-Gruppe, die eine illegale Zeitung gegen Faschismus und Krieg in Mannheimer Betrieben verbreitete. Es folgte Verhaftung, kurzzeitige Emigration und erneut Inhaftierung im KZ Ravensbrück. Anettes Mann Rudolf Langendorf wurde von den Nazis ermordet, einer ihrer beiden Söhne fiel im Krieg.
Sie überlebte das KZ und kam nach dem Krieg zurück in ihre Heimatstadt Mannheim, wo sie die politische Arbeit wieder aufnahm. Sie setzte sich für die Rechte der Verfolgten des Nazi-Regimes ein und gründete gemeinsam mit SPD-Mitglied Jakob Baumann die Mannheimer Kreisvereinigung der VVN.
Mehr als ein Stadtteilfest
Das Anette Langendorf Park Fest startete mit einem Sektempfang. Für die zahlreich vertretenen Kinder gab es Limo und Spielangebote. Zur Begrüßung kamen die drei Stadträte Reinhold Götz (SPD), Dennis Ulas (Linke) und Daniel Bockmeyer (Grüne) auf die Bühne. Sie berichteten von ihren erfolgreichen Anträgen zur Benennung des Quartiersparks nach Anette Langendorf im Jahr 2023. Mittlerweile habe sich die Situation im Gemeinderat geändert, der Rechtsruck sei auch in Mannheim spürbar.
Es folgte ein Vortrag zum Leben von Anette Langendorf und ein fiktiver Dialog „Anette trifft Fritz“ zwischen den historischen Personen Anette Langendorf und Fritz Salm – die Fritz-Salm-Straße befindet sich direkt neben dem Park. Musikalisch untermalt wurden die Beiträge vom Duo Rüdiger und Moritz, die eigene Songs zum Thema Frieden und Antifaschismus vortrugen. Dabei nahmen sie auch Bezug auf aktuelle Entwicklungen, wie den autoritären Umbau der USA unter Trump.
Beim Pub Quiz konnten die Besucher*innen des Festes gemeinsam rätseln. In mehreren Runden gab es Fragen zu 100 Jahren antifaschistischer Widerstand in Mannheim – aus dem Leben der jungen Anette bis zu Ereignissen aus dem Mannheimer Gemeinderat im Jahr 2026. Parallelen zwischen dem Aufstieg der NSDAP und den Strategien der AfD wurden deutlich.
Nach einem Auftritt des DIDF Chors folgte zum Abschluss der Veranstaltung ein Open Air Kino mit dem Film „Die Aufrechte“, der über Interviews das Leben und politische Wirken von Anette Langendorf veranschaulicht.
Ein Park der Erinnerung für die Zukunft
Das Fest wurde von einer breiten Initiative getragen. Neben Anwohner*innen aus den Wohnprojekten „Dreizehn Hektar Freiheit“, „SWK“ und „UmBAU² Turley“ waren die Organisationen VVN-BdA, NaturFreunde, DIDF, Die Linke, Fraktion LTK, Bündnis 90/Die Grünen und OAT beteiligt.
Von vielen Besucher*innen wurde sich eine Fortsetzung im nächsten Jahr gewünscht. Die Erinnerung an die Namensgeberin des Parks will die Initiative auf jeden Fall wach halten, ebenso auch an die Personen, die den Straßen im Stadtteil Turley ihre Namen gaben: Fritz Salm, Marianne Cohn, Eva Herrmann, Heinrich Wittkampf und Samuel J. Turley. Bislang sind die Straßennamen lediglich mit einem kleinen Zusatz versehen, dass sich die Personen mit „widerständigem Verhalten“ gegen den Faschismus auszeichneten. Weitere Informationen, zum Beispiel durch Infotafeln oder sogenannte Stadtpunkte wären wünschenswert, so die Initiative.
„In einer Zeit, in der rassistische, menschenverachtende und autoritäre Tendenzen in Deutschland wieder zunehmen, ist es wichtig, an historische Personen zu erinnern, die Widerstand gegen den Faschismus geleistet haben – an ihr Leben, ihre Kämpfe und ihre Motive. Dass Oberbürgermeister Christian Specht bei der Eröffnung des Parks im Mai das Leben und Wirken von Anette Langendorf verschwiegen hatte, ist traurig und symptomatisch für die CDU, die keine Antworten auf die Gefahren des modernen Faschismus hat. Aus der Vergangenheit gilt es zu lernen. Wir sind nicht dafür verantwortlich, was damals war, aber dafür, was in der Zukunft kommt.“
Initiative Anette Langendorf Park Fest


















