Aktuelles


*ABGESAGT*Vortrag: Staatliche Repression angesichts politischer Dissidenz

Hinweis: Die Veranstaltung ist wegen der Corona-Krise abgesagt!

Veranstaltung mit dem Journalisten Ralf Streck
am Mittwoch, 25. März 2020
um 20:00 Uhr im SWK

Will Spanien an Katalonien nun ein Exempel statuieren? Mehr als zehn Jahre exemplarisch friedfertiger Proteste in Katalonien haben nicht dazu geführt, dass die katalanischen Anliegen in Spanien ernst genommen, diskutiert und einer politischen Lösung zugeführt wurden. Egal wer gerade in Madrid regiert, stets steht Repression ganz oben auf der Tagesordnung.  Statt ein Referendum über die Unabhängigkeit nach Vorbild Schottlands in Großbritannien oder Quebecs in Kanada zu vereinbaren, werden Abstimmungen in Madrid stets verboten. Vor gut zwei Jahren wurde sogar versucht, ein katalanisches Unabhängigkeitsreferendum mit brutalster Gewalt zu verhindern.

Seither erreicht die spanische Repression immer neue Höhepunkte. Politiker und Aktivisten, die für die Durchführung des Referendums verantwortlich gemacht werden, sind wegen eines angeblichen Aufruhrs zu Haftstrafen von bis zu 13 Jahren verurteilt worden. Spanien weigert sich sogar, dass der Chef der Republikanischen Linken Kataloniens seinen Sitz im Europaparlament einnehmen kann, obwohl der Europäische Gerichtshof (EuGH) ihm Immunität zugesprochen hat. Statt im Parlament sitzt auch Oriol Junqueras weiter im Knast, während friedfertigen Aktivisten nun sogar „Terrorismus“ vorgeworfen wird. 

Spanien reagiert stets auch auf legitime demokratische Forderungen mit Repression. In Katalonien wiederholt sich, was in der jahrzehntelangen Auseinandersetzung im Umgang mit Basken erprobt wurde. Den Basken schallte stets aus Madrid entgegen, es könne „über alles gesprochen werden“, wenn die Gewalt der Untergrundorganisation ETA beendet ist. Dass hat sich als Lüge erwiesen. Die ETA ist aufgelöst und entwaffnet, doch über das Selbstbestimmungsrecht soll weder im Baskenland noch in Katalonien gesprochen werden dürfen.

Und die Repression dauert auch hier an. Politiker wie Arnaldo Otegi saßen mehr als sechs Jahre illegal im Gefängnis. Sie hatten keinen fairen Prozess, stellte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte fest. Eine „Justiz nach Postleitzahl“ wird noch deutlicher an den harten Strafen gegen acht junge Leute aus der Kleinstadt Alsasua. Wegen einer Rangelei mit zwei Mitgliedern der paramilitärischen Guardia Civil wurden sie zu bis zu 9,5 Jahren Haft verurteilt, ähnlich wie früher ETA-Mitglieder.

Der Journalist Ralf Streck beobachtet die Vorgänge im Baskenland und Katalonien vor Ort seit mehr als 20 Jahren. Auf der Veranstaltung soll mit ihm auch diskutiert werden, ob Katalonien angesichts der Zuspitzung nun in einen Strudel der Gewalt gerissen wird und welche Perspektiven es für die Unabhängigkeitsbewegung gibt. Beleuchtet werden sollen auch der Dialog, zu dem die sozialdemokratische spanische Regierung nun gezwungen wurde und die Tatsache, dass die Einheit der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung auch am Umgang mit dieser Regierung zerbrochen ist.


Vortrag: Factories with Fences – Gefangenenarbeit in den USA

Im Rahmen unserer monatlichen SWKneipe laden wir am 06.12.19 zu einem spannenden Vortrag ein. Neben dem Input gibt es wie immer ausgewählten Wein und kühle Softdrinks. Wir öffnen unsere Kneipe um 19 Uhr und beginnen mit dem Vortrag um 19:30 Uhr. Wir freuen uns auf euch!

Factories with Fences – Gefangenenarbeit in den USA

In der bekannten Netflix Serie Orange is the new Black nähen die Insassinnen des Litchfield Penitentiary Reizwäsche für eine bekannte Firma und erhalten dafür 1$ pro Stunde.
Es handelt sich dabei um eine Anspielung auf Victoria’s Secret, die, neben anderen internationalen Unternehmen wie Nintendo oder Starbucks, Teile ihrer Produkte in US-amerikanischen Gefängnissen haben herstellen lassen. Sie sind damit Teil zweier weitgehend parallel verlaufender Entwicklungen in den USA seit etwa Mitte der 1970er Jahre – die als „mass incarceration“ bekannte Explosion der Gefangenenzahlen und die Ausweitung der kommerziellen Ausbeutung von Arbeitskraft im Knast.
Heute sind die USA weltweit der Staat, der die meisten Gefangenen im Vergleich zur Bevölkerung zählt. 2,1 Millionen – vornehmlich arme und nicht-weiße – Menschen befinden sich dort derzeit hinter den Gittern staatlicher oder privater Haftanstalten. Von ihnen geht eine bedeutende Zahl einer Arbeit nach, die dem Profit von Unternehmen dient, während die gezahlten Löhne in der Regel weit unter dem bundesweiten Mindestlohn in den USA liegen und zahlreiche Gefangene zum Arbeiten gezwungen werden.
Aktivist*innen in den USA sprechen in diesem Zusammenhang schon lange von moderner Sklaverei und haben 2016 und 2018 zwei bundesweite Gefangenenstreiks organisiert, die ein großes mediales Echo gefunden haben.
Der Vortrag beruht auf der Masterarbeit unseres Mitbewohners Tobi und will einerseits einen auf marxistischer Theorie fußenden Erklärungsversuch für die vorhandene Situation liefern und andererseits eine Übersicht über aktuelle Entwicklungen und widerständige Aktionen und Strategien geben.


Filmveranstaltung „Luft zum Atmen“ – 40 Jahre Opposition bei Opel in Bochum

1972 gründeten ein paar Arbeiter und Revolutionäre bei Opel in Bochum die „Gruppe oppositioneller Gewerkschafter“(GoG). Die GoG existierte über 40 Jahre und hat mit ihrer radikalen Betriebsarbeit den Widerstandsgeist in der Bochumer Belegschaft befeuert.

Als Betriebsräte gaben sie geheime Informationen an die Belegschaft weiter, sie sorgten für achtstündige Betriebsversammlungen, kämpften gegen Krankenverfolgung, organisierten ihren eigenen Bildungsurlaub und versuchten sogar, auf eigenen Faust direkte internationale Solidarität zwischen den verschiedenen General Motors Belegschaften in Europa herzustellen, um sich gegen die Standorterpressungen in den 90er Jahren zur Wehr zu setzen.

Ihre radikalen Aktivitäten kulminierten schließlich im wichtigsten Wilden Streik der deutschen Nachkriegsgeschichte, als die Belegschaft im Oktober 2004 sechs Tage lang das Werk besetzte und die Produktion in ganz Europa lahmlegte.

Ein Portrait von Kollegen, die sich Gehör verschafften. Ihre Praxis einer unbeirrten Betriebspolitik von unten zeigt, dass Widerstand möglich ist. Auch heute. Auch in Großbetrieben.

Filmveranstaltung am Montag, 7. Oktober 2019 ab 19:30 Uhr
im SWK, Fritz-Salm-Straße 10, 68167 Mannheim

Eintritt frei. In Kooperation mit Labournet TV.

Weitere Infos: https://de.labournet.tv/project/luft-zum-atmen

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=5g8hy8PqF2o

 


SWKneipe im Mai: Yoga, Kühe, Faschismus – Was ist da los in Indien?

Denkt man an Indien, so denkt man an scharfes Essen, Spiritualität, viele Menschen und noch viel mehr Kühe. Das meiste davon stimmt zwar irgendwie, aber das ist auch nur die Hälfte der Geschichte. Indien ist ein von schier unfassbarer Armut geplagtes und von politischen und religiösen Konflikten zerrüttetes Land. Das Label „die größte Demokratie der Welt“ beginnt zu bröckeln und im Land des gewaltlosen Widerstands von Mahatma Gandhi sind religiöse Fundamentalist*innen an der Macht und bauen diese auf skrupellose Weise aus. Diese autoritäre Wende in der indischen Gesellschaft wird allerdings nicht kampflos akzeptiert und vor allem die Jugend geht, bezugnehmend auf die lange Geschichte des antikolonialen Widerstandes, auf die Barrikaden. Der Vortrag bietet eine Übersicht auf die politische Entwicklung Indiens von der Unabhängigkeit bis heute und liefert Einblicke in die studentische Protestkultur.

Der Referent Andreas studiert Geschichte, Ethnologie und Politikwissenschaft an der Universität Heidelberg mit Schwerpunkt auf soziale Bewegungen in Südasien, hat insgesamt ein Jahr in Delhi gelebt und studiert und war darüber hinaus an einer Vielzahl von Studierendenprotesten beteiligt.

SWKneipe am Freitag, 3. Mai 2019
um 19:30 Uhr im SWK, Fritz-Salm-Str. 10, 68167 Mannheim


Demo: Bauflächen sind keine nachwachsenden Rohstoffe

Spekulation verhindert bezahlbares Wohnen
Die Stadt Mannheim muss aus Turley-Skandal lernen
Schluss mit dem Verkauf Mannheims

Demo am Samstag, 6. April 2019
Start: 11 Uhr Alter Messplatz

Der Turley-Skandal: für 6 Millionen gekauft, für 36 Millionen nach knapp 4 Jahren weiterverkauft!

„Eine gute Quartiersentwicklung muss reifen wie guter Wein“ sagte der Gutsbesitzer Tom Bock 2012 bei seiner Vorstellung durch die MWSP zum Aufakt der Konversion im Capitol – heute versteht man sehr gut, wie er das meinte. Pro Tag bedeutet das einen Gewinn durch Spekulation von ca. 22.000,- €.

Sehr viele Menschen in Mannheim (genau die, für die bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden müsste), würden sich mit so einem Netto Jahresverdienst glücklich schätzen! Die MWSP ist für die Vermarktung der Konversionsflächen in Mannheim verantwortlich. Sie wurde von der Stadt Mannheim gegründet, um Spekulationswildwuchs zu verhindern. Die 3,5% Gemeindefläche, die durch den Abzug der Amerikaner frei wurde, sollten eben nicht den Kräfen des „Freien Marktes“ überlassen werden. Schon damals war allen Verantwortlichen in der Stadt klar, dass dieser Flächenzugewinn reguliert werden muss.

Auf Turley haben die MWSP und ihre Kontrolle durch den Gemeinderat versagt, dort sind 22.000 qm Baufläche jetzt dauerhaft in der Hand von Spekulanten gelandet!

Es verunsichert eher, dass Oberbürgermeister Kurz die Verträge, die das ermöglicht haben, als bisher in Mannheim übliches vertragliches Vorgehen bezeichnet. Trotz akutem und weiter zunehmendem Mangel an bezahlbarem Wohnraum behindert offensichtlich kein sozialer Anspruch die Bauentwicklung, einzig die Sicherheit der Projektentwickler zählt.

Wir bezweifeln, dass die neuen Investoren, angesichts des gigantisch überhöhten Kaufpreises, tatsächlich dauerhaft sozialen Mietwohnraum schaffen. Für Immobilienhaie wie Bock, Fortoon, Qcoon und die aus den Paradise Papers bekannten Hauptinvestoren aus Malta zählt letztlich nur Profit!

Was bedeutet dieses Auslieferungsfiasko für die weiteren Konversionsflächen Franklin, Spinelli, Hammond und alle anderen städtischen Baugrundstücke? Wird aus Turley gelernt? Mit ihrer bisherigen Politik fördert die MWSP und die durch den Gemeinderat gesteuerte Vermarktung der Konversion nur noch den Anstieg der Bodenpreise und damit der Mieten in Mannheim! Gleichzeitig werden immer mehr dringend benötigte günstige Bauflächen aus Profitinteresse verbraucht.

Unsere Forderungen:

  • Alle Flächen im Stadtgebiet müssen der Stadt planerisch erhalten bleiben. Keine Verkäufe ohne Konzept und Rückkaufrecht!
  • Preisgünstiges Bauen und niedrig verzinste Finanzierung in die Konzepte aufnehmen!
  • Das 12-Punkte-Programm rückwirkend auf allen Konversionsflächen anwenden!
  • Die Quote bezahlbaren Mietwohnraums auf 40% (wie in Frankfurt) oder 50% (wie in Freiburg) erhöhen!
  • Durch die Vergabe von Erbbaurechten statt Verkäufen einen städtischen Grundstückspool schaffen und Bodenpreisentwicklung dämpfen!
  • Bevorzugt gemeinwohlorientierte Investoren wählen! Profitorientierte Investoren erst im Nachgang!
  • Die Politik der MWSP muss durch andere Mehrheiten im Gemeinderat verändert werden!

Die Projekte des Mietshäuser-Syndikats auf Turley: 13haFreiheit, SWK, umBAU²


SWKneipe im April – Solidarität mit den Jugendlichen von Altsasu!

Anfang März 2019 wurde ein haarsträubendes Urteil gegen 8 baskische Jugendliche mit Freiheitsstrafen zwischen zwei und 13 Jahren von der Berufungsinstanz des Madrider Sondergerichts bestätigt.

Was war geschehen?

2016 gab es eine Rangelei zwischen Jugendlichen und mehreren, sich außer Dienst befindenden Mitgliedern der Guardia Civil in einer Kneipe in der baskischen Stadt Altsasu (Nafarroa (Navarra)).

Das Madrider Sondergericht für „Terrorismus“-Prozesse zog das Verfahren an sich, was bei einer Kneipenschlägerei schon eher ungewöhnlich erscheint. Dieses Gericht, entstanden unter der faschistischen Franco-Diktatur, verurteilte die Jugendlichen zu diesen absurden Strafen und stand so Seite an Seite mit einer anderen im Faschismus groß gewordenen Institution, der im Baskenland verhassten Guardia Civil. Die zuständige Richterin trägt zudem eine Auszeichnung der Guardia Civil.

Doch die Solidarität mit den Jugendlichen ist groß, es gab eine Vielzahl an Protesten. In Pamplona (Iruñea) gingen 80.000 Menschen aus dem Baskenland und auch aus anderen Teilen Spaniens unter dem Motto „Ez da justizia“ (das ist keine Gerechtigkeit) auf die Straße.

Am 05.04.2019 wird uns Uschi Grandel von den Freundinnen und Freunden des Baskenlands (www.info-baskenland.de) über diesen Fall, aber auch die Situation politischer (baskischer) Gefangener berichten. Deren Amnestie oder wenigstens deren Verlegung in Gefängnisse im Baskenland ist seit der einseitigen Beendigung des bewaffneten Konflikts seitens der ETA und der endgültigen Auflösung der ETA eine der wichtigsten politischen Forderungen geworden.

Dazu gibt es Pintxos und Kalimotxo!

SWKneipe im April 2019 „Solidarität mit den Jugendlichen von Altsasu“

Freitag, 05.04.2019 ab 19:30 Uhr
im SWK, Fritz-Salm-Straße 10, 68167 Mannheim
Eingang über die Terrasse!


Alle reden von Baufeld 4 und 5. Doch wir haben einen Plan.

Und der heißt „Lake Turley“. Warum teure Luxuswohnungen und fette Rendite für einige wenige? Über einen Baggersee freut sich Groß und Klein. Die ganze Nachbarschaft wäre begeistert. Nicht nur die Turley-Bewohner*innen, die ganze Neckarstadt würde das Konversionsgelände regelmäßig nutzen. Im Sommer bringt ein See Erfrischung, Spaß und sportlichen Ausgleich, im Winter kann man vielleicht sogar Schlittschuhlaufen. Auch die Enten aus dem Herzogenriedpark hätten ihre wahre Freude.

Die Grube ist bereits ausgehoben. Jetzt fehlt nur noch Wasser und bereits zur Sommersaison könnte Mannheims neue Attraktion „Lake Turley“ in Betrieb gehen. Der Zaun käme natürlich weg.

Über Artikel 15 Grundgesetz könnten schnell die rechtlichen Voraussetzungen für eine Vergesellschaftung von Grund und Boden geschaffen werden. Tom Bock könnte dennoch in der Projektentwicklung dabei bleiben und – wie er es bereits vorgeschlagen hat – für die Ansiedlung einer guten Eisdiele auf Turley sorgen.

Beim Turley Deal ging die Stadt baden – jetzt sind wir dran

KOOOnzeptbüro SWK, März 2018


Turley bleibt Spekulationsgebiet und Tummelplatz der Immobilienhaie

Das fragen wir uns auch. Das Bild entstand bei einer Hausbesetzung zur Rettung der Sozialwohnungen in der Carl-Benz-Straße. Diese mussten dann aber auch einem teuren Neubau weichen.

Durch einen Artikel im Mannheimer Morgen vom 2. März 2018 wurde öffentlich, dass der sogenannte „Ankerinvestor“ auf dem Konversionsgelände Turley, die „Tom Bock Group“, für 36 Millionen Euro ein Grundstück verkauft hat.

Die Tom Bock Group kaufte es erst vor 3 Jahren für offenbar günstige 6 Mio Euro von der Stadt bzw. deren Entwicklungsgesellschaft MWSP. Seitdem ist auf dem Gelände, das wir täglich aus dem Fenster beobachten dürfen, nicht viel passiert. Eine Grube wurde ausgehoben. Baufirmen haben Erdarbeiten durchgeführt, Steine geschreddert und das Gelände als Zwischenlager für die Entsorgung von Abbruchmaterial und Erdaushub genutzt. Das war in den letzten Monaten ein staubiges und lautes Unterfangen.

Die von Tom Bock groß angekündigten Bautätigkeiten zum „Soho Turley“ gab es nicht und wird es möglicherweise nie geben. Wer neue*r Eigentümer*in ist und was geplant wird, ist der Öffentlichkeit bisher nicht bekannt. Eine Hamburger Immobiliengesellschaft macht die Vertretung und hüllt sich in Schweigen.

Offenbar hat sich die MWSP von Tom Bock ordentlich über den Tisch ziehen lassen. Bei lockeren Gesprächsrunden mit Wein und lässigen Sprüchen gab es immer wieder Schwärmereien über „Soho Turley“. Sogar „preisgünstiger Wohnraum“ hätte entstehen sollen, alles völlig freiwillig, Dank wohltätiger Absichten des Investors… Und jetzt einfach so ein Deal mit sechsfacher Gewinnspanne. 30 Millionen Gewinn, ohne etwas tun zu müssen? Vielen Dank, MWSP, wird sich der Investor denken und ins Fäustchen lachen. Eine Aktion wie aus dem Bilderbuch der Immobilienspekulation – in einer Zeit, in der sich die Politiker*innen gegenseitig überbieten mit ach so tollen Ideen, um der Wohnungsnot und der Mietpreisexplosion etwas entgegen zu setzen.

Für uns bedeutet die neue Entwicklung verschiedenes.

Erstens wissen wir nicht, was und wann auf unserem Nachbargrundstück gebaut wird. Das heißt: Warten. Weiterhin Baustelle, Staub, Lärm und vielleicht weiterhin fragwürdige Zwischennutzungen, wie in den letzten Monaten. ODER: Baggersee statt Luxuswohnungen? Nehmen wir es doch selbst in die Hand.

Zweitens wissen wir nicht, wann der Grünstreifen neben unserem Haus entstehen wird. Nachdem sich von der MWSP genannte Termine immer wieder als unrealistisch erwiesen haben, ist der aktuelle Stand: „wenn der Rohbau auf Baufeld 4/5 fertig gestellt ist“. Also erst mal nicht.

Drittens haben wir ein Lehrstück in Sachen kapitalistischer Verwertungslogik bekommen. Ein “Investor” macht aus praktisch nichts 30 Millionen Euro in gerade einmal drei Jahren. Alles was er dazu brauchte, war Kapital und eine städtische Entwicklungsgesellschaft, die seine Pläne mitgemacht hat.

Hier sei nebenbei angemerkt, dass in unserem Grundstückskaufvertrag allerhand Absätze sicherstellen, dass wir innerhalb einer vorgegeben Zeit ein bezugsfertiges Haus gebaut haben. Diese Absätze im Vertrag sollen die Nutzung steuern und Spekulationen verhindern, hätten wir diese Bedingungen nicht erfüllt, hätte die MWSP vom Kaufvertrag zurücktreten können. Solche Regeln scheinen für den Großinvestor offenbar nicht notwendig gewesen zu sein.

Wir müssen festhalten, dass die städtische Entwicklungsgesellschaft beim Konversionsprojekt Turley den Immobilienhaien enorme Profite ermöglicht hat und auf dem ehemaligen Kasernenareal Turley wortwörtlich eine „Gated Community“ der Besserverdienenden erschaffen hat. Die drei Syndikatsprojekte (SWK, Umbau und 13 Hektar Freiheit) bilden die kleine Ausnahme von der Turley-Regel der teuren Mieten und Kaufpreise. Ansonsten ist Turley ein Sinnbild der katastrophalen Immobilien- und Wohnungspolitik der letzten Jahren.

Links
„Turley weiterverkauft – für den sechsfachen Preis“ Artikel im Mannheimer Morgen (kostenpflichtig)
„Spekulationsbombe auf Turley“ Kommentar im Kommunalinfo Mannheim


SWKneipe im März mit Film „Iuventa – Seenotrettung – Ein Akt der Menschlichkeit“

Wir laden euch herzlich zur nächsten SWKneipe am kommenden Freitag,  1. März ein. Wir zeigen den Film „Iuventa – Seenotrettung – Ein Akt der Menschlichkeit“, anschließend gibt es die Möglichkeit zur Diskussion.

Zum Film: Eine Gruppe junger engagierter Menschen gründet im Herbst 2015 in Berlin die Initiative JUGEND RETTET. Über eine Crowdfunding-Kampagne kaufen sie einen umgebauten Fischkutter und taufen ihn auf den Namen „Iuventa“. Im darauffolgenden Jahr startet ihr Schiff zu seiner ersten Mission und schließt sich den Schiffen verschiedener NGOs, der italienischen Küstenwache sowie der Marine an.

Nach fast zwei Jahren Einsatz und ca. 14.000 auf hoher See geretteter Menschen wurde im August 2017 das Schiff plötzlich beschlagnahmt und von den italienischen Behörden in Lampedusa festgesetzt. Seitdem kursiert u.a. der Vorwurf der Kooperation mit Schlepperbanden. Eine Anklage ist jedoch bis heute nicht erfolgt. Die bewegende Geschichte wurde von Regisseur Michele Cinque festgehalten. Über ein Jahr lang verfolgt der Film das Leben der jungen Protagonist*innen, fängt die gesamte Spanne der Mission ein, beginnend mit dem Moment, in dem sie in See stechen und ihr unglaubliches Vorhaben wahr wird, bis zu dem Punkt, an dem dieser mit der politischen Realität kollidiert.

Mehr Infos zum Film: www.iuventa-film.de

Wir öffnen um 19:30 Uhr, Beginn des Films gegen ca. 20 Uhr.

Der Eintritt ist frei, Spenden sind erwünscht.


SWKneipe im Februar mit Film „Zwei Wege nach Auschwitz“

Im Februar zeigen wir im Rahmen unserer SWKneipe den Film „Die Köchin des Kommandanten. Zwei Wege nach Auschwitz“ (von Karen Strobel & Christina Stihler, herausgegeben vom Marchivum, 60 min, FSK ab 12).
Zwei Menschen, die sich in Mannheim einst kannten, begegnen sich 1942 am Ort grauenvollster Verbrechen, im KZ Auschwitz wieder: zum einen Rudolf Höß, der Kommandant dieser Todesfabrik. Zum anderen die Bibelforscherin Sophie Stippel (Zeugin Jehovas), KZ-Gefangene, die nun im Haushalt des Kommandanten arbeiten muss.

Der Film erzählt zwei Lebenswege, die auf der Suche nach innerem Halt unterschiedliche Wege einschlagen – mit tiefgreifenden Auswirkungen. Die Dokumentation begleitet den Enkel von Sophie Stippel bei der Spurensuche. Aktuelle Aufnahmen werden durch umfangreiches Archivmaterial ergänzt, namhafte Experten ordnen Persönlichkeitsmerkmale und historische Geschehnisse ein. Die Rekonstruktion der Lebenswege beider Protagonisten eröffnet einen ungewohnten Zugang in Alltag und Strukturen des NS-Regimes auf der Täter- wie Opferseite. Eine zentrale Frage dabei ist zeitlos: Was braucht es, um extremistische Entwicklungen zu vermeiden?

Mehr Infos in der Publikation des Marchivum

Freitag, 1. Februar 2019
20:00 Uhr
im SWK, Fritz-Salm-Straße 10, 68167 Mannheim